Welfen Sammeln Dürer

20. Oktober 2019 – 9. Februar 2020


Kaum ein zweiter Künstler hatte ein so vielfältiges wie intensives Nachleben wie der Nürnberger Maler und Graphiker Albrecht Dürer (1471–1528).

Schon zu seinen Lebzeiten, dann aber verstärkt seit seinem Tod waren Person und Werk Gegenstand leidenschaftlicher Bewunderung und Diskussion. Das reichte von der Nutzung seines graphischen Œuvres für neue Werke der Malerei und Skulptur, über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinen architektur- und kunsttheoretischen Arbeiten bis hin zum Sammeln der unter Dürers Namen überlieferten Artefakte. Auch die Wolfenbütteler Bibliothek war als ursprünglicher Aufbewahrungsort von Kupferstichen und Schriften Dürers ein wichtiges Zentrum derartiger Rezeption. Denn die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel haben sich über Jahrhunderte hinweg an Dürer begeistert und seine Graphiken und Abhandlungen erworben. Vor allem die Herzöge Heinrich Julius und August d. J. sowie dessen Kinder und Enkel nahmen an der Dürermanie ihrer Zeit teil und prägten sie durch ihre persönlichen Vorlieben. Für sie war das keineswegs nur eine untergeordnete Variante des Interesses an Büchern und Handschriften. Dürer zu sammeln und zu verehren ist im 17. und 18. Jahrhundert gleichbedeutend mit Glauben an nationale Größe und an Äquivalenz von deutscher und italienischer Ästhetik. In diesem Panorama wird Dürer als die wohl bekannteste Figur auf dem Tableau historischer Kultur der Frühen Neuzeit zu einem Exempel deutscher Exzellenz.

Abgesehen davon galt er weit über das deutschsprachige Gebiet hinaus als genialer Künstler, der durch seine Gemälde, Holzschnitte, Kupferstiche und Lehrbücher ein Vorbild für die Nachwelt darstellt. An ihm begeisterten sich Humanisten und Kunstschriftsteller. Sie hoben Dürers Beziehungen zu Italien und zu den Niederlanden und die daraus resultierende besondere Ästhetik ebenso hervor wie seine Art der Darstellung, die mittelalterliche Schematisierung überwunden und dadurch das Tor zur Neuzeit aufgestoßen habe. Nicht zuletzt deshalb waren Dürers Werke seit jeher gesuchte Sammelobjekte, deren Besitz mit hohem Ansehen verbunden ist.

Die Ausstellung zeigt Graphiken und Objekte aus der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und dem Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, die von den Welfen zusammengetragen wurden. Sie belegen nicht allein die Verehrung für den Nürnberger Meister, sondern stehen auch für eine Kultur des Sammelns, die mehr als nur den materiellen Wert der Artefakte kennt.

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