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Abgründe

Bibliografische Daten

fullscreen: Abgründe

Allgemein

Kategorie:
Grafik
UrheberIn/BeteiligteR:
MD_PERSON_DISPLAY:
Datierung:
1977
Material / Technik:
Büttenpapier
Vernis mou
Radierung
Maße / Umfang:
Höhe: 669 mm (Blatt)
Breite: 503 mm (Blatt)
Höhe: 495 mm (Platte)
Breite: 309 mm (Platte)

Inhalt

Beschreibung:
Urzeitliche Kraterlandschaften, steile Abgründe und bedrohliche, tief vom Himmel herabhängende Gewitterwolken: so präsentiert uns der Künstler Paul Eliasberg seine Sicht auf die unterschiedlichen Stimmungen der Landschaft und des Wetters. In der 1974 geschaffenen Radierung „Kraterlandschaft“ entwirft Eliasberg ein gänzlich von der Linie dominiertes, urwüchsiges Landschaftspanorama, das vermutlich seiner eigenen Phantasie entsprungen ist (Jensen 107). Eliasbergs Landschaften sind keine topographisch genauen Aufzeichnungen, sondern vielmehr Aufnahmen seiner eigenen Stimmung. Auch die drei Jahre später geschaffene Arbeit Abgründe ist ein linienartiges Konstrukt einer Ideallandschaft (Jensen 148). „Karpathos“ ist eine aus mehreren Flächen hervorgegangene „Insel“, die aus einzelnen Farbstufen in Schwarz, Grau und Weiß besteht. Den meisterhaften Umgang mit der Radiernadel, unter Zuhilfenahme der Aquatinta, offenbart das Werk Dramatische Landschaft (Jensen 91; 2. Zustand). In einem sich zuspitzenden Moment haben sich die bedrohlichen Wolken am Himmel verdichtet, um sich vermutlich im nächsten Augenblick in Form eines heftigen Gewitters zu entladen. Diese Form der „Dramatik“ erreicht Eliasberg in der sehr virtuosen Kombination verschiedener Radiertechniken (Radierung, Vernis mou und Aquatinta). Gänzlich anders sind die in Aquarellmalerei geschaffenen Landschaften: hier sind es wilde, mit dickeren „Pinselhieben“ komponierte Landschaften aus farbigen Streifen und Feldern, wie etwa in den Aquarellen Nisiros (1974) oder Bei Livadia (1979). Die 1964 geschaffene Arbeit Pindus ist eine sehr abstrakte, aus einzelnen geometrischen Flächen bestehende „Landschaft“.
Von der Insel Nisiros schrieb Eliasberg im Sommer 1973 folgende Zeilen, in denen er die markante und urwüchsige Topographie Griechenlands eindrucksvoll beschrieb: „… schmale, zum Teil gepflasterte Wege führen an Schluchten und tiefen Abgründen vorbei. Da ist es mir, als ob hier außer mir noch nie ein Nichteingeborener gegangen wäre. Das sind schon sehr unberührte, heroische Landschaften, wo der allgegenwärtige Vulkan den Ton angibt. Dort hängt wie ein Adlernest über einer Felswand Nikià, und gegenüber davon das heute beinahe verlassene Emperion. Der Hauptkrater ist eine ovale vier Kilometer lange, fruchtbare Ebene, wo schöne, kräftige Bäume wachsen. Während des Abstiegs stößt einem oft starker Schwefelgeruch entgegen. Um einen Schlammsee gruppieren sich Nebenkrater, spitze mit Steilhängen. Der hier dominierende weiße, rötliche oder gelbe Tuffstein blendet die Augen, kein Windhauch, es ist sehr heiß. Das ist also ein Nabel der Erde. Aus Öffnungen, so groß wie Mauselöcher entweicht kochendheißes Gas. Rundherum haben sich Trichter aus flockigen Schwefelkristallen gebildet, sie glitzern wie gelber Schnee. Wenn man auch nur leise mit dem Finger daran rührt, bricht alles zusammen. Diese ungewohnten Spiele der Natur sind faszinierend. Die tellurischen Kräfte, die Schmiede des Hephaistos, – könnte hier nicht eine Form von Leben am Werk sein, deren tiefes Wesen uns Menschen immer verschlossen bleiben wird?“ (zitiert nach: Paul Eliasberg, Auszüge aus: „Von griechischen Inseln“, Ausst. Kat. Altenburg 2016, S. 118). (Städtisches Museum Braunschweig, Text: Lars Berg)

Aufschrift:
Bezeichnet, unten links, mit Bleistift: "H.C. 9/12"; oben, links und rechts "148"; unten, links: "148" und rechts "148 F"; signiert, unten rechts, mit Bleistift: "Eliasberg"

Veröffentlicht in:
L. Berg, P. Joch, und P. Eliasberg, „Paul Eliasberg - verzauberte Räume“. Michael Imhof Verlag, Petersberg, 2025. (S. 83, Kat. Nr. 48 (Abb.); S. 136, Kat. Nr. 48.)

Veröffentlicht in:
J. C. Jensen, J. C. Jensen, und P. Eliasberg, „Paul Eliasberg Das Gesamtwerk der Druckgraphik; vollständiger Katalog aller druckgraphischen Arbeiten 1957 bis 1983“. Christians, Hamburg, 1983. (Nr. 148.)

Literatur in Zusammenhang:
G. Altenbourg, J. M. Nauhaus, und P. Eliasberg, „Paul Eliasberg München 1907-1983 Hamburg“, Altenbourg im Dialog, Bd. IV. Lindenau-Museum, Altenburg, 2016. (S. 118.)
Schlagwort:
Grafik, Fotografie > Druckgrafik > Tiefdruck > Radierung
Zeichnung/Grafik

Weitere Informationen

Objekttyp:
Bild
Sammlung:
Sammlung Grafik
Einrichtung:
Städtisches Museum Braunschweig
Aufbewahrungsort:
Städtisches Museum Braunschweig
Identifikator:
2023-0586-00

Administrative Daten

Link zur Seite:
https://ku-ni.de/record_kuniweb_2500989
Lizenz der Metadaten:
Lizenz:
Lizenz der Digitalisate:
http://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/

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