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Rechteinhaber: Anette Marquardt
Vitrum Antimonii
Allgemein
- Kategorie:
- Alltagskultur
- Datierung:
- 18. /19. Jahrhundert
- Material / Technik:
- Glas
- Maße / Umfang:
- Höhe: 8 cm
Inhalt
- Beschreibung:
- Vitrum Antimonii. Andere Bezeichnungen/Synonyme: Spießglanzglas. Zusammensetzung Antimon(III)-oxid und -sulfid, Sb₂O₃ und Sb₂S₃, ca. 1,5 % Fremdstoffe.
Gefäß mit historischem Arzneimittel.
Vitrum Antimonii (von lat. vitrum = Glas) zählt neben Antimonium (Sb2S3) zu den ältesten in Arzneibüchern aufgeführten Antimonverbindungen. Schon im Vokabular des 12. Jahrhundert trat sie auf. Ob sie dann schon zu arzneilichen Zwecken verwendet wurde, ist nicht bekannt, denn erstmalig wurde sie im deutschsprachigen Raum in der Augsburger Pharmakopöe von 1646 aufgeführt. Aber bereits 1618 enthielt die Londoner Pharmakopöe dieses Mittel.
Das Präparat aus violetten („hyazinthfarbenen“), durchscheinenden Glaskörpern, auch als Spießglanzglas, Brechglas oder Spießglas bezeichnet, stammt aus einer Drogensammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Chemisch besteht es aus Antimon(III)-oxid und-sulfid. Hergestellt wurde Vitrum Antimonii im Zeitalter der Chemiatrie durch Rösten von Antimonsulfid mit anschließendem Schmelzen. Je nach Zusätzen, von etwa Borax, Steinsalz und weiteren konnte es eine andere Farbe annehmen. Die Schmelze wurde ausgegossen und erstarrte zu einem glasähnlichen Körper, wie das vorliegende Objekt zeigt. Die Verglasung gelang nur, wenn ein bestimmter Schwefelanteil vorhanden war.
Das erzeugte Präparat wurde nicht selbst arzneilich verwendet, sondern in Pulverform in Gefäße gegeben und mit Bier oder Wein übergossen. Die Schmelze konnte auch gleich in Form eines Gefäßes ausgegossen werden. Dieses diente als "Brechbecher" ebenfalls zur Herstellung emetischer (d.h. Brechreiz erzeugender) Getränke. In diesen Gefäßen ließ man über Nacht Bier oder Wein stehen, die am nächsten Tag als Brechmittel dienten.
(Anette Marquardt)
Verwendungszweck:
Arzneimittel, Heilmittel
Literatur in Zusammenhang:
A. Marquardt, „Die arzneimittelhistorische Sammlung Schneider in Braunschweig - Geschichte, Systematik und Dokumentation“, Braunschweiger Veröffentlichungen zur Geschichte der Pharmazie und Naturwissenschaften, Bd. 60. Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart, 2022.
- Schlagwort:
- Arzneimittel
Antimon
Behältnis, Hülle > Behältnis
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