Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)
Rechteinhaber: Hermann-Allmers-Gesellschaft e. V.
Hermann Allmers: Vesuv
Allgemein
- Kategorie:
- Skulptur
- UrheberIn/BeteiligteR:
- Hermann Allmers
- Datierung:
- ca. 1860 - ca. 1862 (Modell laut HA erstmals 1860 angefertigt und für Ernst Haeckel bestimmt; Version im NHA wohl späterer Abguss nach derselben Form für die eigene Sammlung)
- Entstehungsort:
- Rechtenfleth
- Material / Technik:
- Gips
Abguss
Inhalt
- Beschreibung:
- Gipsmodell des Vesuv nach einer Tonform, die Allmers laut eigener Angabe 1860 anfertigte, um damit ein Modell als Geschenk an Ernst Haeckel gießen zu können. Das Modell, das Allmers nach der Tonform auch für die eigene Sammlung anfertigte, sollte als Erinnerung an die gemeinsame Besteigung des Vulkans am 18./19. Juli 1859 dienen, bei der die Freunde ohne Führer in der Nacht in Lebensgefahr gerieten (siehe
Hermann Allmers, Briefwechsel mit Freunden im Nordwesten, B 31).
Zu dem Modell schreibt Allmers am 1. Mai 1861 an Haeckel: "Und endlich rücke ich dann auch mit meinem sogenannten Weihnachtsgeschenk heraus das Du in beikommender Kiste vorfinden wirst, welche ich indeß nicht ohne einiges Zagen absende. Was es vorstellt wird Dir denke ich doch bald klar werden, keinen Andern als unsern alten neapoliteischen Bekannten Signore Vesuvio wie er leibt u lebt oder besser gesagt »wie er sich räuspert u wie er spuckt.« – Leibhaftig in Thon geformt in Gyps gegossen ud so gut es ging mit Farbe bemalt, die er selber dazu geliefert hat, damit es also immer ein Theil des Vesuvs selbst sei.
Ich habe schon im vorigen Herbst dies Modell angefertigt u sogleich für Dich bestimmt. Der Arbeit zu Grunde gelegt sind Ansichten aus verschiedenen Werken, sodann meine eigenen Zeichnungen u vor Allen die schöne durch Dich besorgte Karte. Daß man keinen allzustrengen geometrischen Maßstab daran legen darf ist natürlich so wie daß sich gewiß manche kleinen Unrichtigkeiten eingefunden haben. Im Ganzen, aber denke ich, wird das Modell doch ein ziemlich treues u anschauliches Bild des Vulcans liefern Solchen die ihn bestiegen zur angenehmen Rückerinnerung Solchen die ihn nicht sahen zur instructiven Verdeutlichung Dir mein Junge aber hoffentlich zu einiger Freude sein weil es ein Werk von meinen Händen u Dir geweiht ist. – –
Nun einiges Nähere. Das Atrio dei cavalli ist verhältnißmäßig etwas zu schmal so wie auch die Strecke vom Krater bis ans Meer verhältnißmäßig ein wenig zu kurz ist. Ich habe Beides indeß absichtlich etwas zusammen gerückt um nicht den ganzen Berg in kleinem Maßstab halten zu müssen sondern Platz für andre Einzelheiten zu gewinnen. Mit der Darstellung und Färbung der Kegelspitze der Geröllflächen der alten und neuen Laven so wie der hellgelben Tuff u Aschenlagerung wirst Du hoffentlich zufrieden sein zumal wenn ich Dir gewiß zu Deinem Ergötzen sage daß die Letztere aus wirklicher Vesuvasche besteht die ich mit Gummi arabicum zu einer Farbe angerieben habe. Auch das Atrio u der Kegel sind zum Theil mit eignem Material| bezeichnet. Die Gebäude des Observatoriums sowie die Eremitenwohnung wirst Du leicht wiederfinden und dann auch jene Gegend die der Schauplatz unsrer unvergeßlichen Nachtabentheuer war. Ich versuchte zuerst auch mittelst grüner Töne die Grenzen der Kultur u der übrigen Pflanzenwelt, so weit ich sie kannte, anzugeben, doch bekam dadurch das Ganze eine zu bunte undeutliche Wirkung ja etwas spielzeugartiges ud an die kleinen Weihnachtsgärtchen erinnernd die man wohl von Sand u Moos unter dem Christbaum anlegt. Genaues wäre auch ja doch nicht heraus gekommen. Darum überstrich ich Alles wieder und begnügte mich nur das Bild der Bodenarten zu geben. Die Ortschaften Portici mit dem Palaste Resina u Torre del Greco endlich habe ich nur durch Papierstückchen so aufs Ungefähre hin angegeben weil es darauf am allerwenigsten ankommt. Alles u Jedes Übrige aber kannst Du leicht wo es Dir nicht richtig scheint durch Fortschaben u Anmalen corrigiren. Es ist ud bleibt ja ein Erstlingswerk ud als solches muß es nachsichtig betrachtet werden. Nimm denn freundlich das kleine Geschenk von mir an als ein armseliges Zeichen meiner Liebe zu Dir ud gedenke dabei schöner u intressanter vergangener Tage. –" (HA an Ernst Haeckel, in: Briefwechsel III/1, 2017, S. 207f.)
Haeckel bedankte sich später bei Allmers für das Modell und verriet, dass es auch in der Universität in Jena Anerkennung gefunden habe, worauf Allmers am 24. November 1864 entgegnet: "Übrigens ist es mir jetzt ein Leichtes noch ein Exemplar anzufertigen da die Form ja einmal vorhanden. Wenn Du wirklich meinst, daß es der Universität Willkommen ist soll sie gern eins bekommen. Dem lieben alten Jena thu ichs von Herzen gern zu Lieb. Schreib mir ob es wirklich Dein Ernst war." (HA an Ernst Haeckel, in: Briefwechsel III/1, 2017, S. 231) (T. Mahler 04/2024)
Literatur in Zusammenhang:
H. Allmers und H. G. Steimer, „Briefwechsel mit Freunden im Nordwesten“, Briefwechsel, Bd. 2. Ed. Temmen, Bremen, 2014. (Vgl. B 31)
Beschrieben in:
H. Allmers, H. G. Steimer, und A. Behne, „Briefwechsel mit Freunden in der Ferne 1855-1879“, Briefwechsel, Bd. 3, Teilband 1. Edition Temmen, Bremen, 2017. (Hermann Allmers an Ernst Haeckel, 1. Mai 1861, B 55, S. 206-211 Hermann Allmers an Ernst Haeckel, 24. November 1861, B 61, S. 228-233 (u. ö.))
- Schlagwort:
- Bildwerk > Abguss
Weitere Informationen
Administrative Daten
- Link zur Seite:
- https://ku-ni.de/record_kuniweb_2661829
- Anmerkung zum Original:
- Sammlung und Nachlass Hermann Allmers sind Eigentum der Hermann-Allmers-Gesellschaft e. V. und werden in zwei Teilen an zwei Standorten verwahrt:
Die (museale) Sammlung, bestehend aus Mobiliar und Hausgerät, Tafelgemälden, kleineren und größeren Antiken, Gipsabgüssen, kunsthandwerklichen Objekten aus Keramik und Glas und einer kleinen Bibliothek, befindet sich im Allmers-Haus in Rechtenfleth.
Der literarische, grafische und fotografische "Nachlass Hermann Allmers" hingegen ist im Archiv des Landkreises Cuxhaven in Otterndorf deponiert.
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- Lizenz der Digitalisate:
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