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Thora-Vorhang

Bibliografische Daten

fullscreen: Thora-Vorhang

Allgemein

Kategorie:
Alltagskultur
Datierung:
1763
Material / Technik:
Seide
Leinen
Weben
handgenäht
gestickt
Maße / Umfang:
Höhe: 213 cm
Breite: 123 cm

Inhalt

Beschreibung:
Thora-Vorhang (hebr. parochet) aus der Göttinger Synagoge. Aufgebaut aus drei konzentrische Stoffrechtecken. Außen cremefarbene Bouretteseide mit stark verblassten farbigen Längsstreifen. In Damasttechnik sind vegetabile Motive (Früchte und Blätter) eingewebt.
Daran angesetzt ein Rechteck aus blauem Seidendamast, darin sind ebenfalls Frucht-, Blumen- und Blattmotive eingewebt. Der blaue Damast ist umlaufend gesäumt mit Spitzenborte aus Silberlahn auf gelber Seidenseele.
Im Zentrum ein Rechteck aus rotem Seidendamast, auch hier eingewebt reiche Pflanzen- und Blumenmotive. Umlaufend gesäumt wird der rote Damast von einer breiten Spitzenborte aus Silber- und Goldlahn auf gelber Seidenseele. In der oberen Hälfte des roten Seidendamast die hebräische Stifterinschrift und eine Krone, beides gestaltet aus gelblichem Seidenband mit eingewebtem Silberlahn. Die feineren Linien der hebräischen Buchstaben sind mit gelblichem Seidenfaden gestickt.

Text der Stifterinschrift, beginnend mit der rechten Kolumne: "Krone der Thora. Dies ist die Stiftung des Herrn Sender, Sohn des Vorstehers und Führers der Gemeinde, unseres ehrenwerten Lehrers, des Herrn und unseres Meisters, Herr Jirmijahu, gesegnet sei das Andenken an den Gerechten, Etthausen, (linke Kolumne:) und seiner Gattin Edel, Tochter des hervorragenden, ehrenwerten Lehrers, des Herrn und unseres Meisters Joel Kirchhan, möge er leben lange und gute Tage. Im Jahre 523 (1763) nach der kleinen Zählung."

In der unteren Hälfte des roten Seidendamasts ist ein Davidstern aus sogenannter Spanierarbeit appliziert. In den sechs Spitzen des Sterns sind rundliche Applikation aus Silberlahnspitze aufgesetzt, im Zentrum des Sterns eine stilisierte Krone aus Spanierarbeit. Spanierarbeit (aus dem Jiddischen shpanyer arbet, entweder auf Spanien oder die Technik des Spinnens bezogen) ist ein Webprodukt und eine Technik, bei der Metallfäden (häufig Silber oder Gold) in die Kette gewoben werden, um dekorative Bänder zu produzieren.
Am unteren Ende des blauen Seidendamasts sind bräunliche Fransen angebracht, die mit Silberlahnspitze in rautenförmigem Muster auf einem leinwandbindigen Stoff, möglicherweise eine Bouretteseide, festgesteppt sind.
Auf der Rückseite Futter aus verschiedenfarbigen, leinwandbindigen Stoffen; teilweise mit intensivroten großen Flecken.
Der rote Seidendamast ist auf der Vorderseite mit einem gleichfarbigen Netz aus Seidenfäden überspannt, das an den Stellen über den goldschimmernden Buchstaben in gleichem Farbton eingefärbt ist; möglicherweise eine historische Restaurierung bzw. Stabilisierung, die die Faltenbindung und damit das weitere Brechen der roten Damastseide verhindern sollte.

Der Thoravorhang hängt in den Synagogen des aschkenasischen Kulturbereichs vor dem Thoraschrank (hebr. aron hakodesch), in italienischen und sefardischen Synagogen meist hinter dessen Türen. Im Thoraschrank befindet sich das Heiligste der Synagoge, die Thorarolle(n).
(Städtisches Museum Göttingen)

Beschrieben in:
Bernd Schaller, Synagogen in Göttingen. Aufbrüche und Abbrüche jüdischen Lebens, Göttingen 2006, S. 29-31.

Beschrieben in:
„Führer durch Göttingen und Umgebung : mit einer Verkehrskarte und einem Stadtplan“. Kästner, Göttingen, [Ende 19. Jhd.]. (Führer durch Göttingen und Umgebung, Göttingen 1898, S. 19)

Beschrieben in:
„700 Jahre Juden in Südniedersachsen - Geschichte und religiöses Leben : Ausstellung im Städtischen Museum Göttingen vom 14. Oktober bis 9. Dezember 1973. Siebenhundert Jahre Juden in Südniedersachsen - Geschichte und religiöses Leben“. Städt. Museum, Göttingen, 1973. (Waldemar Röhrbein, 700 Jahre Juden in Südniedersachsen, Göttingen 1973, S. 100-101, Nr. 329)

Beschrieben in:
„Jüdisches Kultgerät des 17. bis 19. Jahrhunderts : 3. November bis 31. Dezember 1968 [Göttingen: Städtisches Museum]“. Städtisches Museum, Göttingen, 1968. (Waldemar Röhrbein, Jüdisches Kultgerät, Göttingen 1968, S. 14, Nr. 29)

Beschrieben in:
bruno Crome, „Führer durch die Altertumssammlung des Städtischen Museums Göttingen“. Badenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1919. (Bruno Crome, Führer durch die Altertumssammlung, Göttingen 1919, S. 17. -)

Beschrieben in:
M. Heyne, „Kurze Wegleitung durch die Städtische Altertums-Sammlung zu Göttingen“. Huth, Göttingen, 1900. (Städtisches Museum Göttingen, Wegleitung durch die Städtische Altertumssammlung zu Göttingen 1900:9/ 1902:11)
Schlagwort:
Synagogale Ausstattung

Weitere Informationen

Objekttyp:
3D-Objekt
Sammlung:
Judaica
Einrichtung:
Städtisches Museum Göttingen
Aufbewahrungsort:
Städtisches Museum Göttingen
Identifikator:
2014/67

Administrative Daten

Link zur Seite:
https://ku-ni.de/record_kuniweb_942942
Lizenz der Metadaten:
Lizenz:
Lizenz der Digitalisate:
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de

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