Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)
Rechteinhaber: Städtisches Museum Göttingen
Chinesische Gin-Lien-Schuhe
Allgemein
- Kategorie:
- Textilkunst
- Datierung:
- 1900, um (Vermutung)
- Material / Technik:
- Holz
Leder
Pappe
Seidenköper
- Maße / Umfang:
- Breite: 4,5 cm
Länge: 16 cm
Höhe: 6,5 cm
Inhalt
- Beschreibung:
- Chinesische Gin-Lien-Schuhe (auch: Lotusschuhe, Gin-lien = Goldener Lotus), ein Paar. Abgerundete Ferse und vorne extreme Spitze. Roter Stoff mit aufgestickten Blüten verziert, nach oben schwarze Borte. Der Stoff ist auf Pappe gefestigt. Festere Sohle ( vermutlich aus Holz), an den Hacken und Spitzen mit Leder verstärkt. Die Schuhe scheinen nicht getragen worden zu sein. Vermutlich hat Ewald Lehmann sie in einem Geschäft als Souvenir gekauft.
Kleine Füße galten in China jahrhundertelang als vornehm und waren ein wichtiges Schönheitsideal für Frauen höherer sozialer Schichten. Die kleinen, sogenannten Lotus-Füße entstehen durch das Knochenbrechen und Abbinden der Füße im Kinderalter. Mit den verkrüppelten Füßen konnten die Frauen kaum laufen. Die Praxis war auch außerhalb des Adels bei allen Familien verbreitet, die es sich leisten konnten, dass sich die Frau kaum fortbewegen und daher nicht arbeiten konnten. 1911 wurde die Praxis verboten.
Nachlass Ernst und Ewald Lehmann:
Ernst Lehmann kam 1887 als Offizier des 82er Regiments nach Göttingen, wechselte aber bald in den Ruhestand. Er war politisch und kulturell sehr aktiv, Angehöriger des Bürgervorsteherkollegiums, führendes Mitglied im Geschichtsverein, engagierter Kolonialpolitiker und ein passionierter Sammler vor allem von Militaria. Seine Sammlung ergänzte er durch die Korrespondenz mit seinem Sohn Ewald, der seit 1904 als Richter in der deutschen Kolonie Tsingtau wirkte, sowie durch die chinesischen Objekte, die Ewald Lehmann nach Deutschland schickte. Hinzu kamen die Korrespondenz mit Hans Wilde, einem entfernten Neffen, der 1901-1902 als Offizier des deutschen Expeditionskorps im Boxerkrieg eingesetzt war. Es ist nicht immer klar, welche Objekte in der heutigen Sammlung von Ewald Lehmann oder Hans Wilde aus China nach Deutschland geschickt worden sind.
Mit seiner sorgfältig geordneten Sammlung, zu der auch hunderte Postkarten unterschiedlicher Provenienz gehörten, begründete Ernst Lehmann eine Tradition, in der insbesondere die Tätigkeit von Ewald Lehmann in Tsingtau eine herausragende Rolle spielte. Diese Tradition wurde von seinen Nachkommen in der Familie Vollmar/Fütterer intensiv gepflegt. Insbesondere Heinz Fütterer und seine Frau Gisela sowie Barbara Mayer haben mit großem Engagement und viel Sachverstand den Nachlass geordnet, inhaltlich erschlossen, Korrespondenzen transkribiert und den Familienstammbaum erforscht.
Nach dem Tod von Ernst Lehmann verblieb seine Sammlung zunächst an seinem letzten Wohnort in Göttingen. In den folgenden Jahrzehnten gingen die Objekte im Zuge verschiedener Erbgänge über seine Tochter Margarete Vollmar und deren Sohn Wolf an seinen Urenkel Heinz Fütterer sowie an dessen Geschwister Barbara Meyer und Dieter Fütterer über. Die Kinder von Heinz Fütterer sowie Barbara Meyer und Dieter Fütterer übergaben im Laufe des Jahres 2023 eine Auswahl der Sammlungsobjekte von Ernst Lehmann und - nahezu vollständig - die Objekte und Korrespondenzen mit Chinabezug aus dem Nachlass von Ewald Lehmann dem Städtischen Museum. Die Korrespondenzen, Zeitungsausschnitte und Münzen mit Bezug auf den Kriegsdienst von Hans Wilde in China waren von Barbara Meyer an dessen Nachkommen Börries Butenop gegeben worden, der daraus eine Dokumentation erarbeitete. Börries Butenop überließ diese Unterlagen 2023 ebenfalls dem Städtischen Museum.
Johannes „Hans“ Gustav Leo Wilde, geb. am 16.01.1875 in Nelep, verstorben am 07.10.1914 in Maucourt (Frankreich), Sohn des Otto Gustav Wilde, Pastor in Nelep, und der Martha Elise Hermine Cäcilie Voigt. Wilde besuchte das Gymnasium in Köslin bis 1893. 1894 trat er als Offiziersanwärter in in das 2. Kurhessische Infanterie-Regiment Nr. 82 in Göttingen ein. 1895 Beförderung zum Leutnant. Von 1900 bis 1902 nahm er an der China-Expedition („Boxeraufstand“) teil. Während dieser Zeit schrieb er mehrere Briefe an Familienmitglieder in Deutschland. Nach seiner Rückkehr diente er im 3. Westfälischen Infanterie-Regiment „Freiherr von Sparr“ Nr. 16 in Mühlheim/Rhein, dort Beförderung zum Oberleutnant. Am 26.09.1903 heiratete er Sophie Luise Bennecke. 1906 war er Lehrer an der Infanterie-Schießschule in Berlin-Spandau. 1911 folgt die Beförderung zum Hauptmann und Dienst im 4. Westfälischen Infanterie-Regiment „Graf Barfuß“ Nr. 17 in Mörchingen/Lothringen. 1912 arbeitete er als Lehrer an der Escuela Superior de Guerra in Buenos Aires/Argentinien.
(Städtisches Museum Göttingen)
- Schlagwort:
- Kolonialismus
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