Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)
Rechteinhaber: Städtisches Museum Göttingen
Armillarsphäre
Allgemein
- Kategorie:
- Naturkunde
- Datierung:
- ca. 1813 (vor (?) 1813)
- Material / Technik:
- Messing
Holz
- Maße / Umfang:
- Höhe: 16 cm
Durchmesser: 7,8 cm (fuß)
Inhalt
- Beschreibung:
- Modell aus Messing auf rundem Fuß aus Holz. Laut Eingangsbuch ein "Deklinations- (Wendekreis-) Tellurium". (Ein Tellurium ist aber ein Sonderfall einer "Planetenmaschine" und zeigt die Bewegungen von Erde und Mond, die sich um die Sonne drehen. Bei dem Modell WI.1909.069 ist aber die Erde in der Mitte).
Erläuterungen von Herrn Dr. Axel Wittmann (bis 2008 am Institut für Astrophysik Göttingen und Geschäftsführer der Gauß-Gesellschaft e.V.): Das Objekt ist eine sogenannte "Armillarsphäre" (eine "Armreifenkugel"), die in ihrer Grundstruktur schon im Vormittelalter von den alten Astronomen erfunden, gebaut und benutzt wurde, so eine Art Höhepunkt im 15. und 16. Jahrhundert erlebte, und heute - in der "teleskopischen Zeit" - nur von Interessierten nachgebaut, aber nicht mehr wirklich gebraucht wird. Der Wert richtet sich sehr nach Alter, Hersteller und Qualität sowie Material, wie das bei solchen historischen Geräten immer der Fall ist. Das Prinzip ist relativ einfach: Es ist ein - vereinfacht kugelförmig dargestelltes - 3-dimensionales Modell der Himmelskugel mit der Erde in der Mitte - die übliche Bauweise für Beobachtungen von der Erde aus. Es sind i.a. die Bahnebene der Sonne (d.h. eigentlich der Erde), die sog. "Ekliptik" (weil nur in dieser Finsternisse stattfinden können) dargestellt, außerdem die Erde mit der zum Himmelspol weisenden Erdachse (um die die Erde sich dreht), ferner der Himmelsäquator als Projektion des Erdäquators (von dem aus die "Deklination" nach Norden hin bis +90 Grad gezählt wird), und außerdem die "Wendekreise" (der Sonne) und i.a. einige "Stundenkreise" (15 Grad sind jeweils 1 Stunde infolge der Erdrotation). Vgl. Foto 1909/69a. So eine Armillarsphäre kann man erstens als Modell zur Veranschaulichung betrachten (heute hat man dafür eher ein "Planetarium"), aber wenn sie genau parallel zu den wirklichen Ebenen am gegebenen Ort aufgestellt und einjustiert ist (und außerdem noch Visiermarken, sog. "Absehen", hat), kann man sogar grob Objekte am Himmel messen und z.B. ablesen, wie lange es noch bis zum (wahren) Mittag dauert, wann der Stern Sirius (oder auch die Venus) ungefähr den Meridian erreicht, usw.
In der Sammlung des Städt. Museums befinden sich Modelle und Instrumente Göttinger Universitätssammlungen. Zu nennen sind hier die „Modellkammer“ (ca. 1734–1884) und das „Physikalische Kabinett“ (1789–1849).
Der Grundstock der Sammlung "Modellkammer" wurde in den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts gelegt. Eine gezielter Aufbau und Nutzung in der Lehre erfolgten aber erst später. Die Sammlung setzte sich aus verschiedenen Schenkungen zusammen: beispielsweise Instrumente von Joachim Heinrich von Bülow (1735), einige wenige, große Objekte aus der Schenkung Johann Friedrich von Uffenbachs (die Schenkung machte er 1736, die Objekte kommen aber erst, auch wegen Rechtsstreitigkeiten, 1769/70 in Göttingen an), 1832 die Sammlung mathematischer Instrumente des Professors für Mathematik Bernhard Friedrich Thibaut und die Sammlung Johann Beckmanns (1817). Die Unterbringung der Modellkammer wechselte im Lauf ihres ungefähr 150-jährigen Bestehens immer wieder. Die Sammlung wurde um 1880 aufgelöst.
Lichtenberg verkaufte seine private Sammlung „Apparat von physikalischen Instrumenten“ 1789 an die Universität Göttingen, aus der das "Physikalische Kabinett" hervorging. Die Instrumente wurden 1791 durch Objekte aus der v. Uffenbachschen Donation (s.o.) ergänzt. Diese Sammlung wurde 1799 von Tobias Mayer, Lichtenbergs Nachfolger, übernommen und von diesem Zeitpunkt „Kabinett“ genannt. Sie behielt diesen Namen bis zu ihrer Auflösung 1849. Wichtigstes Verzeichnis der Sammlung bildet Mayers „Catalog des Physikalischen Apparats“ von 1813. Er enthält Hinweise zum Gebrauch der Instrumente und diente der Vorbereitung von Experimenten in den Vorlesungen.
Nutzungsgeschichte laut Nickol: Das Objekt ist zuerst in das physikalische Kabinett gelangt (Mayer-Katalog, 1813; H1, Astr. 13, S. 215). 1849 von Listing in die Sammlung des mathematisch-physikalischen Instituts übernommen. In Listings Inventarium (UAG Sek. 460.1, Nr. 55). (Städtisches Museum Göttingen)
Veröffentlicht in:
Mayer, Johann Tobias: Katalog des physikalischen Apparats, 1813, H1, Astr. 13, S. 215.
- Schlagwort:
- Himmelskörper
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