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Tafelaufsatz für Pessachfest

Bibliografische Daten

fullscreen: Tafelaufsatz für Pessachfest

Allgemein

Kategorie:
Alltagskultur
Datierung:
um 1850
Material / Technik:
Metall
Lack
bemalt
Maße / Umfang:
Höhe: 31 cm
Durchmesser: 45,5 cm

Inhalt

Beschreibung:
Tafelaufsatz für das jüdische Pessachfest. Das Gerät besteht aus Blech, steht auf vier Kugelfüßen und hat eine ovale Grundform. Es ist auf einer Seite offen und hat im Inneren vier horizontale Stangen, die zwei regalartige Ebenen bilden. Über der rechteckigen Öffnung sind drei Haken angebracht, die einen heute fehlenden Vorhang zum Verdecken der Öffnung hielten. Auf der Oberseite hat das Gerät fünf regelmäßig verteilte, runde Öffnungen: eine große im Zentrum, darum vier kleinere verteilt. Diese dienten dem Hineinstellen von Schälchen mit den rituellen Speisen für das Pessach-Fest. Umgeben ist die Oberseite mit einem durchbrochenen Geländer, ebenfalls aus Blech. Das ganze Gerät ist schwarz lackiert; auf diesem Grund sind intensiv farbige Malereien von heimischen Blumen, Blättern und Gräsern aufgetragen. Auf der der Öffnung gegenüberliegenden Seite sind in goldgelb schimmernden hebräischen Buchstaben (aschkenasische Quadratschrift) mnemotische Stichworte für den rituellen Ablauf des Pessach Seders (hebr. Seder, "Ordnung"), i.e. des rituellen Mahls, aufgetragen:

1. Kadesch קדש (Rezitation von Kiddusch, d.h. dem Segensspruch, und der erste Becher Wein)
2. Urchatz ורחץ (Waschen der Hände)
3. Karpas כרפס (Vorspeise, das Karpas - "Erdfrucht", d.h. Kartoffel oder Zwiebel - wird in Salzwasser getaucht und gegessen)
4. Jachatz יחץ (Brechen der Matze) und Verstecken des Afikomans, eines Matzenstücks für die Kinder
5. Magid מגיד (Nacherzählung des Auszuges aus Ägypten; die Kinder fragen: „Weshalb ist dieser Abend anders als alle anderen?“, die vier Fragen: „Weshalb das Eintauchen? Warum nur Matze? Wozu die bitteren Kräuter? Warum entspannen wir uns und essen auf der linken Seite wie die Könige?“ und der zweite Becher Wein)
6. Rochtzo (רחצ(ה (Waschen der Hände) und sprechen der Bracha (Segen)
7. Mozie מוציא, (Segen über das Brot)
8. Mazza מצה (Verzehr der Matze)
9. Maror מרור (bittere Kräuter werden mit Charosset, einem süßen Brei, gegessen)
9. Korech כ(ו)רך (die Matze werden mit Maror und Charosset gegessen)
10. Schulchan Orech שולחן ע(ו)רך (festliches Mahl)
11. Zafun צפון (der Afikoman wird von den Kindern aus dem Versteck zurückgebracht und gegessen)
12. Bairach (ב(רך (Der dritte Becher Wein als Dank nach dem Mahl, öffnen der Haustür und rezitieren der Passage, die den Propheten Elias einlädt in Vorwegnahme der bevorstehenden Erlösung zu erscheinen)
13. Hallel (ה(לל (Preisung und der vierte Becher Wein)
14. Nirza (נ(ירצה (Annahme)

Im Inneren des Tafelaufsatzes wurden die Matzen aufbewahrt, obendrauf standen Schälchen für verschiedene Lebensmittel.

Bruno Crome, Führer durch die Altertumssammlung, Göttingen 1919, S. 18; Nr. 103.
Konrad Schilling, Monumenta Judaica, Köln 1964, Kat.Nr. E 542.
Waldemar Röhrbein, Jüdisches Kultgerät, Göttingen 1968, S. 23, Nr. 51.
Waldemar Röhrbein, 700 Jahre Juden in Südniedersachsen, Göttingen 1973, S. 116-117, Nr. 388.
(Städtisches Museum Göttingen)

Beschrieben in:
„Jüdisches Kulturgerät im Lande Niedersachsen : Ausstellung im jüdischen Kulturzentrum Hannover, Haeckelstraße 10“. Goltze, Göttingen, 1969. (Waldemar Röhrbein, Jüdisches Kultgerät, Göttingen 1968, S. 23, Nr. 51.)

Beschrieben in:
„700 Jahre Juden in Südniedersachsen - Geschichte und religiöses Leben : Ausstellung im Städtischen Museum Göttingen vom 14. Oktober bis 9. Dezember 1973. Siebenhundert Jahre Juden in Südniedersachsen - Geschichte und religiöses Leben“. Städt. Museum, Göttingen, 1973. (Waldemar Röhrbein, 700 Jahre Juden in Südniedersachsen, Göttingen 1973, S. 116-117, Nr. 388.)

Beschrieben in:
„Monumenta Judaica : 2000 Jahre Geschichte und Kultur der Juden am Rhein ; Eine Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum“. J. Melzer-Verl, Köln, 1963. (Konrad Schilling, Monumenta Judaica, Köln 1964, Kat.Nr. E 542.)

Beschrieben in:
„Führer durch die Altertumssammlung / Städtisches Museum. Städtisches Museum, Führer durch die Altertumssammlung. Städtisches Museum / Städtisches Museum, Göttingen ; 1“. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1919. (Bruno Crome, Führer durch die Altertumssammlung, Göttingen 1919, S. 18; Nr. 103.)
Schlagwort:
Häusliche Sakralobjekte

Weitere Informationen

Objekttyp:
3D-Objekt
Sammlung:
Judaica
Einrichtung:
Städtisches Museum Göttingen
Aufbewahrungsort:
Städtisches Museum Göttingen
Identifikator:
1899/270

Administrative Daten

Link zur Seite:
https://ku-ni.de/record_kuniweb_942885
Lizenz der Metadaten:
Lizenz:
Lizenz der Digitalisate:
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de

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