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Tablett

Bibliografische Daten

fullscreen: Tablett

Allgemein

Kategorie:
Alltagskultur
Datierung:
19. Jahrhundert (Stilkritische Zuweisung)
Material / Technik:
Lack
Perlmutt
Holz
intarsiert
lackiert
Maße / Umfang:
Breite: 27,7 cm
Länge: 42 cm
Tiefe: 1,6 cm

Inhalt

Beschreibung:
Tablett aus China, Holz, schwarz lackiert, Intarsien aus Perlmutt: Landschaftsdarstellung mit Bäumen und Steinen, mittig zwei Personen auf einem Boot, das Wasser ist durch längliche Linien angedeutet, die linke Person spielt Flöte, die rechte Person hat einen Bart und ist sitzend dargestellt, neben sich einen Fächer, vmtl. handelt es sich um die Darstellung eines Meisters mit Schüler. Die hierarchische Darstellung der Landschaft verweist auf eine taoistische Geschichte. Das Tablett wurde vermutlich zum Servieren von Tee genutzt, es sind runde Gebrauchsspuren, vmtl. Abdrücke der Teetassen, sichtbar. Perlmuttarbeiten sind wertvoll, da Perlmutt schwer zu gewinnen ist. Das Tablett war dementsprechend wertvoll. Vermutlich stammt es aus Tsingtau und wurde von dort von Ewald Lehmann nach Göttingen geschickt oder von dort mitgebracht. Bei Eingang im Museum war es mit einem handschriftlichen Zettel versehen. "Vermutlich von Ewald Lehmann aus Tsingtau ~ 1930, Heinz + Hi 28.2.2021". Der Zettel stammt von Hinnerk Fütterer, der mit Heinz Fütterer zur Herkunft der Objekte Wandschränke durchgegangen ist. Heinz Fütterer war zu der Zeit schon von seinem Parkinson und seiner atypischen Demenz beeinträchtigt.
Das Tablett stammt aus dem Nachlass von Ernst Lehmann. Vor seinem Eingang ins Museums befand es sich im Haus Am Kreuze 21 im sog. Museumszimmer.


Nachlass Ernst und Ewald Lehmann:
Ernst Lehmann kam 1887 als Offizier des 82er Regiments nach Göttingen, wechselte aber bald in den Ruhestand. Er war politisch und kulturell sehr aktiv, Angehöriger des Bürgervorsteherkollegiums, führendes Mitglied im Geschichtsverein, engagierter Kolonialpolitiker und ein passionierter Sammler vor allem von Militaria. Seine Sammlung ergänzte er durch die Korrespondenz mit seinem Sohn Ewald, der seit 1904 als Richter in der deutschen Kolonie Tsingtau wirkte, sowie durch die chinesischen Objekte, die Ewald Lehmann nach Deutschland schickte. Hinzu kamen die Korrespondenz mit Hans Wilde, einem entfernten Neffen, der 1901-1902 als Offizier des deutschen Expeditionskorps im Boxerkrieg eingesetzt war. Es ist nicht immer klar, welche Objekte in der heutigen Sammlung von Ewald Lehmann oder Hans Wilde aus China nach Deutschland geschickt worden sind.
Mit seiner sorgfältig geordneten Sammlung, zu der auch hunderte Postkarten unterschiedlicher Provenienz gehörten, begründete Ernst Lehmann eine Tradition, in der insbesondere die Tätigkeit von Ewald Lehmann in Tsingtau eine herausragende Rolle spielte. Diese Tradition wurde von seinen Nachkommen in der Familie Vollmar/Fütterer intensiv gepflegt. Insbesondere Heinz Fütterer und seine Frau Gisela sowie Barbara Mayer haben mit großem Engagement und viel Sachverstand den Nachlass geordnet, inhaltlich erschlossen, Korrespondenzen transkribiert und den Familienstammbaum erforscht.
Nach dem Tod von Ernst Lehmann verblieb seine Sammlung zunächst an seinem letzten Wohnort in Göttingen. In den folgenden Jahrzehnten gingen die Objekte im Zuge verschiedener Erbgänge über seine Tochter Margarete Vollmar und deren Sohn Wolf an seinen Urenkel Heinz Fütterer sowie an dessen Geschwister Barbara Meyer und Dieter Fütterer über. Die Kinder von Heinz Fütterer sowie Barbara Meyer und Dieter Fütterer übergaben im Laufe des Jahres 2023 eine Auswahl der Sammlungsobjekte von Ernst Lehmann und - nahezu vollständig - die Objekte und Korrespondenzen mit Chinabezug aus dem Nachlass von Ewald Lehmann dem Städtischen Museum. Die Korrespondenzen, Zeitungsausschnitte und Münzen mit Bezug auf den Kriegsdienst von Hans Wilde in China waren von Barbara Meyer an dessen Nachkommen Börries Butenop gegeben worden, der daraus eine Dokumentation erarbeitete. Börries Butenop überließ diese Unterlagen 2023 ebenfalls dem Städtischen Museum.
Johannes „Hans“ Gustav Leo Wilde, geb. am 16.01.1875 in Nelep, verstorben am 07.10.1914 in Maucourt (Frankreich), Sohn des Otto Gustav Wilde, Pastor in Nelep, und der Martha Elise Hermine Cäcilie Voigt. Wilde besuchte das Gymnasium in Köslin bis 1893. 1894 trat er als Offiziersanwärter in in das 2. Kurhessische Infanterie-Regiment Nr. 82 in Göttingen ein. 1895 Beförderung zum Leutnant. Von 1900 bis 1902 nahm er an der China-Expedition („Boxeraufstand“) teil. Während dieser Zeit schrieb er mehrere Briefe an Familienmitglieder in Deutschland. Nach seiner Rückkehr diente er im 3. Westfälischen Infanterie-Regiment „Freiherr von Sparr“ Nr. 16 in Mühlheim/Rhein, dort Beförderung zum Oberleutnant. Am 26.09.1903 heiratete er Sophie Luise Bennecke. 1906 war er Lehrer an der Infanterie-Schießschule in Berlin-Spandau. 1911 folgt die Beförderung zum Hauptmann und Dienst im 4. Westfälischen Infanterie-Regiment „Graf Barfuß“ Nr. 17 in Mörchingen/Lothringen. 1912 arbeitete er als Lehrer an der Escuela Superior de Guerra in Buenos Aires/Argentinien.
(Städtisches Museum Göttingen)
Schlagwort:
Kolonialismus
Kolonie
Tablett
Intarsie
Tee
Behältnis, Hülle > Behältnis > Gefäß > Teller, Platte > Tablett
Tafel-Hilfsgerät

Weitere Informationen

Objekttyp:
3D-Objekt
Sammlung:
Ausgewählte Objekte aus den Sammlungen des Städtischen Museums Göttingen
Einrichtung:
Städtisches Museum Göttingen
Aufbewahrungsort:
Städtisches Museum Göttingen
Identifikator:
Leh.2023.395

Administrative Daten

Link zur Seite:
https://ku-ni.de/record_kuniweb_2648175
Lizenz der Metadaten:
Lizenz:
Lizenz der Digitalisate:
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de

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