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Ölgemälde Belagerung durch Tilly

Bibliografische Daten

fullscreen: Ölgemälde Belagerung durch Tilly

Allgemein

Kategorie:
Malerei
UrheberIn/BeteiligteR:
MD_PERSON_DISPLAY:
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Datierung:
1645 - 1646
Material / Technik:
Leinwand
Ölfarbe
Ölmalerei
Maße / Umfang:
Höhe: 137 cm (ohne Rahmen)
Breite: 242 cm (ohne Rahmen)
Höhe: 143 cm (mit Rahmen)
Breite: 249 cm (mit Rahmen)

Inhalt

Beschreibung:
Das Landschaftsgemälde zeigt die Belagerung Göttingens im Dreißigjährigen Krieg. Im Wesentlichen ist die Beschießung der Stadt und die Explosion des Roten Turmes mit dem darin enthaltenen Pulvermagazin dargestellt. Das Gemälde ist die frühste exakte Bildquelle zur Stadttopographie und zum Landschaftszustandes Göttingens. Die Stadt ist von Südwest gesehen mit der vor der Stadt fließenden Leine und dem Einfluss des Leinekanals im Süden der Wallbefestigung. Im Osten ist der noch unbewaldete Hainberg zu erkennen. Der Gesamteindruck entspricht noch dem einer mittelalterlichen Stadt, da die neuzeitlichen Ravelins fehlen. Ebenso sind zahlreiche Türme und Tore der Stadtmauer zu erkennen. Das Gemälde zeigt eine vollständige Darstellung der Göttinger Kirchen. So sind innerhalb der Stadtmauern von links nach rechts St. Marien, die Paulinerkirche, St. Jacobi, St. Johannis, die Barfüßerkirche und St. Nikolai sowie außerhalb St. Albani zu sehen. Ebenfalls auszumachen sind das Alte Rathaus, das Kaufgildehaus und ein gotisches Treppengiebelhaus in der Groner Straße sowie im Hintergrund die Stadtdörfer Weende und Nikolausberg. Am rechten unteren Bildrand erläutert eine mit Putten und Sanduhr geschmückte Tafel die Topographie. Die Legende aus Nummern verweist auf die einzelnen Gebäude, ohne dass die Zahlen an den entsprechenden Gebäuden angegeben sind.
Das Gemälde wurde vom Rat der Stadt bei dem Göttinger Maler Daniel Münch in Auftrag gegeben. Laut Kämmereiregister erhielt er am 1. März 1645 Geld für eine Leinwand. Vermutlich verstarb er kurz nach Auftragsvergabe (kein Beleg bislang gefunden) und sein Sohn Justus (?) - einen anderen Maler gab es zu dieser Zeit in Göttingen nicht und mitten im Krieg einen auswärtigen Künstler nach Göttingen kommen zu lassen, ist unwahrscheinlich - vollendete 1645/46 das Gemälde. Justus muss das Bild vor 1647 fertiggestellt haben, denn in diesem Jahr zahlt ein Ratsherr aus eigener Tasche den Lohn an den Maler (Name wird nicht genannt) als Vorleistung für die Stadtkasse (Eintrag in Kämmereiregister). Die Erben des Ratsherrn fordern das Geld später von der Stadt zurück. Das Gemälde wurde vom Rat der Stadt in Auftrag gegeben und war im Alten Rathaus platziert. Es existieren geringfügige Übermalungen aus dem 18./19. Jahrhundert.
Das Werk korrespondiert mit einem weiteren Gemälde im Städtischen Museum (1893/035), das eine Belagerung im Jahr 1642 zeigt. Die Werke sind Ergebnis einer gezielten Geschichtspolitik. Durch diese wollte der Rat der Stadt zeigen, dass Göttingen im Krieg große Katastrophen erlebt hat (Belagerung von 1626), schließlich aber durch Gottes Hilfe (und die gute Regierung des Rates) alles glücklich überstanden hat (Belagerung von 1641). Belagerungsgemälde mit Szenen einer erfolglosen Belagerung im Dreißigjährigen Krieg sind verbreitet. Beispiele finden sich von den schwedischen Belagerungen von Überlingen 1634, Brno (Brünn) 1645, Lindau 1647, von den französischen Belagerungen von Dole 1636, Saint-Omer 1638, Aire-sur-la-Lys 1641, Armentières 1647 und Valenciennes 1656 sowie von dem holländischen Angriff auf Antwerpem bei Kallo 1638. Das Gemälde der Belagerung von 1626 ist in diesem Zusammenhang außergewöhnlich und singulär, da Göttingen aus der Belagerung durch Tilly nicht siegreich hervorgegangen ist und eindeutig die Niederlage der Stadt thematisiert wird.
Von Einbeck existiert eine Belagerungsszene im Heergeschichtlichen Museum in Wien, das von Peter Snayers (1592-1667) gefertigt wurde und Teil einer Serie ist, die die erfolgreichen Belagerungen von Ottavio Piccolomini zeigt. (Städtisches Museum Göttingen)

Inschrift:
Stadt Göttingen 1. S. Ioahannes Kirche. 2. S. Iacobi Kirche. 3. S. Albani Kirche. 4. S. Nicolai Kirche. 5. V. Lieben Frauwen. K. 6. D. Pavliner Closter. 7. D. Barfvser Closter 8. Z. Heiligen Geist. 9. Z. Heiligen Krevtze. 10. Das Rathavs. 11. Das Kavfhaus. 12. D. Albaner Dhor. 13. D. Geismer Dhor. 14. D. Grvner Dhor. 15. D. Wehender Dhor. (unten rechts)

Literatur in Zusammenhang:
Entwicklung der Städte, in: Meckseper, Cord (Hg.): Stadt im Wandel, Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland 115-1650, Landesausstellung Niedersachsen, Ausstellungskatalog Braunschweig 1985, Bd. 1, S. 108. M. Heyne: Bestandskatalog der Städtischen Altertumssammlung Göttingen 1902. Die Angaben zu den anderen Belagerungsgemälden stammen von dem Historiker Pavel Hrnčiřík aus Mnichovice/Tschechien, der eine Publikation über Belagerungsgemälde des Dreißigjährigen Krieges plant (E-Mail: 8. und 21. Januar 2018)

Beschrieben in:
Appel, Thomas: Göttinger Stadtgeschichte im Bild. Die Belagerung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg 1626 und 1641, Göttingen 2020.
Schlagwort:
Zerstörung
Vedute
Befestigung
Niederlage
Brand
Dreißigjähriger Krieg
Belagerung
Stadt
Vedutenmalerei
Malerei > Gemälde
Bildwerke/Bildende Kunst

Weitere Informationen

Objekttyp:
Bild
Sammlung:
Ausgewählte Objekte aus den Sammlungen des Städtischen Museums Göttingen
Einrichtung:
Städtisches Museum Göttingen
Aufbewahrungsort:
Städtisches Museum Göttingen
Identifikator:
GM.1893.034

Administrative Daten

Link zur Seite:
https://ku-ni.de/record_kuniweb_2532584
Lizenz der Metadaten:
Lizenz:
Lizenz der Digitalisate:
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de

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