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Mädchen am Meer

Bibliografische Daten

fullscreen: Mädchen am Meer

Allgemein

Kategorie:
Grafik
Datierung:
um 1900
Material / Technik:
Velinpapier
Lithographie
Maße / Umfang:
Höhe: 255 mm (Platte)
Breite: 340 mm (Platte)
Höhe: 480 mm (Blatt)
Breite: 548 mm (Blatt)

Inhalt

Beschreibung:
Fünf junge Mädchen sind bei Sturm und aufgewühlter See an einem Strand zu sehen. Die zwischen Blau und Braun-Grau changierenden, tief am Horizont hängenden Wolken unterstreichen den Eindruck eines stürmischen Tags. Die im rechten Vordergrund vorbeiziehenden jungen Mädchen stemmen sich gebückt gegen starke Böen voran und versuchen, unter ihren wehenden Gewändern, die optisch mit den Wolken verschmelzen, Schutz zu finden. Das am linken Bildrand gezeigte unbekleidete Mädchen ist im Begriff, einer anderen jungen Frau beim Anziehen ihres blauen Gewandes zu helfen. Im Hintergrund ist wiederum ein Mädchen zu sehen, das aus den Fluten steigt. Die von Ludwig von Hofmann vermutlich um 1900 geschaffene Komposition wirkt durch die weiche Strichführung und die runden, sich verbindenden Formen von Körpern, Wolken und Gewändern sehr harmonisch. Der Künstler brachte das Motiv mittels Kreide und Pinsel auf die Druckplatte. Die Umrisse der Frauenkörper, der Gewänder und Wolken führte er mit Kreide aus. Einzelne Partien der Körperflächen wurden zusätzlich mit Kreide schraffiert. Der Strand, das Meer und die Wolken wurden mit einem Pinsel flächig ausgefüllt. Die Linienführung und die Betonung der Bildfläche verbinden den Künstler mit der Formensprache des Jugendstils. Besonders bei den im Wind flatternden Gewändern wird eine an jugendstilhaften Ornamenten orientierte Linienführung deutlich.
Seine Motive suchte der Künstler überwiegend in der Antike. Das besondere Interesse für die Antike teilte Ludwig von Hofmann mit seinem Onkel und späteren Schwiegervater Reinhard Kekulé von Stradonitz (1839-1911). Dieser war einer der bedeutendsten Klassischen Archäologen seiner Zeit. Er lehrte von 1870 bis 1889 an der Universität in Bonn, wo er eine der noch heute umfangreichsten Gipsabguss-Sammlungen antiker Kunst anlegte. Anschließend übernahm Kekulé die Leitung der Berliner Skulpturensammlung und schließlich auch des dortigen Antiquariums. Hofmann studierte Jura in Bonn, als sein Onkel dort lehrte. Er besuchte auch Veranstaltungen des Archäologischen Instituts, etwa im Sommersemester 1882 Kekulés Vorlesung über die „Geschichte der griechischen Plastik“. Zwischen 1894 und 1900 hielt sich Ludwig von Hofmann in Rom auf. Er besaß dort ein eigenes Atelier und besuchte die römischen Sammlungen und antiken Ruinen.
Besonders die Darstellung einer arkadischen Welt ist für das Werk Hofmanns prägend.
Die künstlerischen Leitmotive Ludwig von Hofmanns sind die idyllische Landschaft und die Darstellung nackter bzw. leicht bekleideter Figuren. Diese sind nicht ohne Vorbilder aus der antiken Kunst denkbar. Besonders die Gewandbehandlung zeugt von einer ausgeprägten Kennerschaft antiker Werke. So lassen sich die beiden voranschreitenden Mädchen am rechten Bildrand von „Mädchen am Meer“ mit Darstellungen von Mänaden, den weiblichen Begleiterinnen des Gottes Dionysos, vergleichen. Besonders die tänzerischen Bewegungen sowie der im Wind wirbelnde Gewandsaum, der mit einer Hand festgehalten wird, und die entblößte Brust sind charakteristische Merkmale der Darstellung von Mänaden. 1897 hatte von Hofmann mehrere Zeichnungen nach einem antiken Relief eines Kraters auf dem Camposanto in Pisa angefertigt. Die von Hofmann angefertigten Zeichnungen rekurrieren wiederum auf Zeichnungen des Künstlers Benozzo Gozzoli und zeigen tanzende Mänaden (Ludwig von Hofmann, „Mänade. Studie nach einem Motiv vom Camposanto zu Pisa (Benozzo Gozzoli)“, 1897, Kohle auf graublauem Papier, 24 x 33,5 cm, bez. u. li.: LvH, Ludwig-von-Hofmann-Archiv, Zürich, Inv. Nr. B 9). Ludwig von Hofmann ging es nicht um eine exakte Wiedergabe antiker Kunstwerke, vielmehr um die Bewegungsfolge einzelner Figuren, die er aus antiken Vorbildern „herauslas“. So komponierte von Hofmann sein eigenes Bild einer Welt zwischen apollinischem Maß und dionysischem Rausch. Es war besonders die Leichtigkeit der dynamisch-tänzerischen Bewegungen, die fliegenden Gewänder und die Nacktheit der Figuren, die er in seinen Schöpfungen zu einer „arkadischen“ Traumwelt verschmolz und die er im Sinne der Lebensreform zu Idealbildern verdichtete.
Hinsichtlich des Sujets lässt sich die Lithographie mit dem Gemälde „Frauen am Meer“ (auch: „Am Meeresstrand“ oder „Badende“, 1899, Öl auf Leinwand, 121 x 170 cm, ehemals Kaiser-Friedrich-Museum, Magdeburg, alte Inv.-Nr. GK 239, Kriegsverlust) in Verbindung bringen. Vergleichen lässt sich die kompositorische Gegenübersetzung von Wasserbrandung und Strand in Graphik und Gemälde, ebenso die Figur einer Frau, die in der Lithographie aus dem Meer steigt und im Gemälde in die Fluten hineinwatet. Die Lithographie lässt sich auch mit dem Gemälde „Die Brandung“ von 1905 vergleichen (Ludwig von Hofmann, Die Brandung, 1905, Öl auf Leinwand, 82,5 x 118 cm, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, Inv. Nr. WRM 1250). Es zeigt vier Frauen bei aufgewühlter See an einer Felsenküste. Die Frauenfigur im rechten Bildrand des Gemäldes lässt sich hinsichtlich der Haltung, der Schrittstellung und des im Wind wehenden Gewandes besonders gut zu der Lithographie in Bezug setzen.
Ludwig von Hofmann studierte zwischen 1883 und 1886 an der Akademie der bildenden Künste in Dresden und wechselte 1886 an die Kunstakademie in Karlsruhe. 1889 setzte er sein Studium an der Académie Julian in Paris fort. Hofmann wurde in dieser Zeit besonders durch das Œuvre von Pierre Puvis de Chavannes (1824-1898) und Paul-Albert Besnard (1849-1934) beeinflusst. Zwischen 1894 und 1899 verbrachte Ludwig von Hofmann einen Aufenthalt in Italien, wobei er sich besonders in Rom und Fiesole bei Florenz aufhielt. 1892 gründete sich in Berlin die Künstlergruppe „Vereinigung der XI“, zu dessen Mitgliedern von Hofmann zählte. Es war das Ziel der Vereinigung, Vertretern moderner Kunstströmungen ein Forum zu bieten und sich von der durch Kaiser Wilhelm II. geförderten und etablierten Kunst des Historismus abzusetzen. Auch Max Liebermann (1847-1935) Franz Skarbina (1849-1910) und Max Klinger (1857-1920) gehörten der „Vereinigung der XI“ an. Sie war neben der Münchner Sezession die bedeutendste Künstlervereinigung, die sich vom bestehenden etablierten Kunstbetrieb distanzierte und einen Gegenentwurf proklamierte. 1898 löste sich die Vereinigung der XI“ nach der Gründung der Berliner Sezession wieder auf. 1903 wurde Ludwig von Hofmann an die Großherzogliche Kunstschule in Weimar berufen. Im Umkreis von Harry Graf Kessler (1868-1937) und Henry van de Velde (1863-1957) verkehrte er mit Künstlern und Literaten der Avantgarde. Zu von Hofmanns Schülern zählten Hans Arp (1886-1966) und Ivo Hauptmann (1886-1973). Mit dessen Vater, Gerhard Hauptmann (1862-1946), verband ihn eine tiefe Freundschaft. 1907 unternahmen sie eine Reise nach Griechenland. Für die Edition des Hirtenlieds von Gerhard Hauptmann schuf Ludwig von Hofmann später zahlreiche Illustrationen.
Im Werk des Künstlers Ludwig von Hofmann verbinden sich stilistische Elemente des Jugendstils und des Symbolismus miteinander. (Lars Berg)

Aufschrift:
Signiert, unten rechts, mit Bleistift: „Ludwig von Hofmann“

Inschrift:
Monogrammiert, in der Platte, unten rechts: „L v H.“

Veröffentlicht in:
Von Rembrandt bis Baselitz. Meisterwerke der Druckgraphik aus der Sammlung des Städtischen Museums Braunschweig, herausgegeben von Lars Berg und Peter Joch für das Städtische Museum Braunschweig, Petersberg 2020, S. 118-121, Kat.-Nr. 34; Abb. S. 119.
Schlagwort:
Grafik, Fotografie > Druckgrafik > Flachdruck > Lithografie
Zeichnung/Grafik

Weitere Informationen

Objekttyp:
Bild
Sammlung:
Sammlung Grafik
Einrichtung:
Städtisches Museum Braunschweig
Aufbewahrungsort:
Städtisches Museum Braunschweig
Identifikator:
1991-0085-00

Administrative Daten

Link zur Seite:
https://ku-ni.de/record_kuniweb_424336
Lizenz der Metadaten:
Lizenz:
Lizenz der Digitalisate:
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de

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