TY - GEN
SP - 1
TI - Bessamim-Büchse
AB - Bessamim-Büchse des Turm-Typs. Aus Silberblech, -draht und -filigran. Ein Korpus mit Spitzdach auf vierteiligem Fuß.
Auf einen quadratischem Boden aus Silberblech - dieser ist gemarkt mit der Herstellermarke EE sowie der Stadtmarke von Brünn nach 1868 und der Marke Österreich-Ungarn 1867-1871, - ist ein Kubus mit Kanten aus gekordeltem Silberdraht montiert, die Wände aus Silberfiligranarbeit. Darin vorne ein Rundbogentürchen mit einem Riegel aus Blech und kleinem Ösengriff. Oben auf dem Kubus ein quadratisches Dach aus Silberblech, die Kanten leicht nach unten gezogen. Darauf zwei Marken: Hersteller EE und Stadtmarke Brünn, nach 1868. Auf den Dachecken vier geschweifte, vergoldete Fahnen, die Stange mit einem runden, flachen Knopf als Abschluss. Alle vier Fahnen gemarkt wie oben für das Dach angegeben. Auf dem Dach vierseitiger pyramidenförmiger Aufsatz bestehend aus dreieckigen Rahmen, die mit Silberfiligranarbeit ausgefüllt sind. Die Bessamim-Büchse wird gekrönt von einer geschweiften, vergoldeten Fahne, gemarkt wie oben angegeben. Abschluss der Fahnenstange mit einem runden, flachen Knopf. Die zentrale Fahnenstange geht durch das Spitzdach und den Kubus und hält beide durch eine Mutter am Unterboden des Kubus zusammen. Unter der obersten Fahne und im Inneren des Spitzdachs eine Blume aus Silberblech mit sechs Blütenblättern, die leicht nach oben gebogen sind. Dieser Turmaufbau ist auf vier gebündelte Silberdrähten gesetzt. Die Drähte sind fein gerippt. Nach unten streben die vier Drähte auseinander und bilden einen quadratischen Fuß, dessen Seitenkanten aus bogenförmigen Silberfiligranarbeiten bestehen. Wo die Drähte auseinanderstreben, ist wiederum eine sechsblättrige Blume angebracht, die Blätter leicht nach unten gebogen. Die vier Füße bestehen aus hohlen, vergoldeten Halbkugeln.
Bessamim-Büchsen (von hebr. besamim, "wohlriechende Substanzen") werden zur Hawdala-Feier am Ende des Schabbats oder eines Feiertages, also zum Sonnenuntergang am Sonnabend oder des jeweiligen Feiertages, gebraucht. Ältere aschkenasische (mitteleuropäische) Formen sind schlichte Kästchen mit Scharnier- oder Schiebedeckel, innen vierfach unterteilt. Ab dem 16. Jh. sind Turm-Formen bekannt. Später waren auch Früchte, Blumen, Tiere und sogar Artefaktformen wie z.B. Dampfloks beliebt. Die Büchse wird mit wohlriechenden Substanzen, meist Nelken oder Zimt, gefüllt und bei der Hawdalafeier herumgereicht, damit jede/-r Teilnehmende daran riechen kann. Der Wohlgeruch soll den Abschied vom Schabbat und den Einstieg in den Werktag erleichtern. Es werden Segen (hebr. pl. brachot) über Wein, Gewürze und die spezielle Hawdala-Kerze gesprochen (an Feiertagen entfällt der Gewürz- und Lichtsegen). Die Büchsen sind meist aus Silberhergestellt, aber es gibt sie auch aus weniger edlen Metallen, Holz oder Bein.
(Städtisches Museum Göttingen)
Beschrieben in:
„700 Jahre Juden in Südniedersachsen - Geschichte und religiöses Leben : Ausstellung im Städtischen Museum Göttingen vom 14. Oktober bis 9. Dezember 1973. Siebenhundert Jahre Juden in Südniedersachsen - Geschichte und religiöses Leben“. Städt. Museum, Göttingen, 1973. (Waldemar Röhrbein, 700 Jahre Juden in Südniedersachsen, Göttingen 1973, S. 96, Nr. 320)
Beschrieben in:
„Jüdisches Kultgerät des 17. bis 19. Jahrhunderts : 3. November bis 31. Dezember 1968 [Göttingen: Städtisches Museum]“. Städtisches Museum, Göttingen, 1968. (Waldemar Röhrbein, Jüdisches Kultgerät, Göttingen 1968, S. 12, Nr. 24)
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