TY - GEN SP - 1 TI - Les Sabots AB - Jacques Couché zählt zu den bedeutenden französischen Kupferstechern der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er war zunächst Schüler von Jean-Charles Le Vaseur (1734-1816) und Jacques Aliamet (1726-1788). Danach trat er in den Dienst des Herzogs von Orléans, Louis-Philippe I. de Bourbon (1725-1785), und wurde dessen Kammer-Graveur. Bekannt wurde Couché als Herausgeber des großen Tafelwerks „Galerie du Palais Royal“, das die Gemälde aus der Sammlung des Herzogs von Orléans in Form von Kupferstichen erschließt. Die herzoglichen Kunstsammlungen umfassten seinerzeit mehr als 500 Gemälde unterschiedlicher Schulen, die im Palais Royal und anderen Schlössern verwahrt wurden. Das monumentale Tafelwerk wurde 1784/85 begonnen. Der erste Band erschien 1786. Er ist aus historischer Sicht auch deshalb so wichtig, weil die Sammlungen durch den Sohn Louis-Philippes I., Louis-Philippe II. Joseph de Bourbon (1747-1793), genannt Philippe-Egalité, veräußert und auf diese Weise in alle Himmelsrichtungen zerstreut wurden. An dem monumentalen Projekt waren u. a. Antoine Borel (1734-1810) und Jean-Baptiste Wicar (1762-1834) als Zeichner beteiligt. Gemeinsam mi seinem Kompagnon Jacques Bouillard (1744-1806) führte Couché mehrere Kupferstiche selbst aus.
Der hier gezeigte und in das Jahr 1784 datierte Kupferstich mit dem Titel „Les Sabots“ („Die Holzschuhe“) zitiert eine bislang nicht identifizierte Gouache des schwedischen Hofmalers Niclas Lefrensen (auch: Nicolas Lavreince; 1737-1807), wie aus der Bildunterschrift hervorgeht. Das Motiv atmet den heiteren und leicht frivolen Geist des Rokoko. In einer idyllischen Landschaft wird ein junges Paar im Freien unter einem Baum beim Picknick gezeigt. Die junge Frau hat zwei Kirschen aus dem Korb genommen, den der Mann in seiner rechten Hand hält. Neckisch hält sie die Kirschen in die Luft, um sie ihrem Verehrer zu offerieren. Dieser blickt begehrlich zu den über ihm schwebenden Früchten. In seiner rechten Hand hält er zwei Blumen, die mit dem Schmuck auf dem Kleid am Rande des Dekolletés der jungen Frau korrespondieren. Seinen Hut und die beiden dem Kupferstich ihren Namen gebenden Holzschuhe hat der junge Mann bereits ausgezogen. Es ist die heitere und zugleich erotische Beziehung zwischen den Dargestellten, die kennzeichnend für zahlreiche Werke aus der Zeit des Rokokos ist und die zur Beliebtheit des Kupferstichs beigetragen haben dürfte. Auch der für diese galante Paar-Szenerie leicht ironisch gemeinte Bildtitel „Die Holzschuhe“ ist prägend für das ausgehende 18. Jahrhundert. Hier wäre u. a. an das berühmte Gemälde „Die Schaukel“ von Jean-Honoré Fragonard zu denken, das in noch stärkerer Weise die Beziehung zwischen den Geschlechtern in heiter verspielter Weise thematisiert (Jean-Honoré Fragonard, Die Schaukel, 1767-68, Öl auf Leinwand, 81 x 64,2 cm, London, The Wallace Collection, Inv. Nr. P 430). Die Holzschuhe verweisen vermutlich auf die noch folgende erotische Handlung. So sind etwa auch in niederländischen Darstellungen des Mönchs und einer Nonne im Kornfeld die bereits abgelegten Holzschuhe im Vordergrund zu sehen.

Der Kupferstich ist einem Mitglied aus der Familie der Grafen de Pons Saint-Maurice gewidmet, wie aus der Bildunterschrift hervorgeht. Vermutlich ist damit Emmanuel de Pons Saint-Maurice (1712-1791) gemeint, der auch "Lieutenant général des armées du Roy" war. (Lars Berg)

Inschrift:
Bezeichnet u. signiert in der Platte, unterhalb der Darstellung: „LES SABOTS. / Dédié à Monsieur le Comte de Pons S.t Maurice, / Chevalier des Ordres du Roi, et Lieutenant Général de ses Armées. / Paris chez J. Couché, Graveur, Rue S.te Hyacinthe, N.o 51. Par son très humble et très obéissant serviteur Couché. / Peint a Gouache par Laverince, Ptre du Roi de Suede. / Gravé par J. Couché.“

Beschrieben in:
L. Berg und P. Joch, „Von Rembrandt bis Baselitz Meisterwerke der Druckgraphik : aus der Sammlung des Städtischen Museums Braunschweig“. Michael Imhof Verlag, Petersberg, 2020. (S. 112-114, Kat.-Nr. 32; S. 113 (Abb.).) CN - record_kuniweb_413194 ER -