TY - GEN
SP - 7
TI - Schabbat-Hängeleuchter
AB - Aus drei Komponenten zusammengesetzte Hängelampe für den Schabbat und andere jüdische Feiertage. Der Schaft ist balusterartig profiliert mit rundem Querschnitt und innen hohl. Am oberen Ende ist in zwei Löchern im Schaft ein Haken befestigt. Die typischerweise zum Aufhängen an der Zimmerdecke verwendete verstellbare Säge oder Ratsche ist nicht dabei. Der Ölbehälter in der Form eines sechsstrahligen Sterns wird über eine Schraubverbindung am Schaft festgedreht. An der Unterseite ist der Stern im zentralen Bereich mit sternförmigen Ornamenten punziert. Einige Schnäbel des Sterns sind an der Spitze stark abgenutzt. Ebenfalls auf der Unterseite des Sterns ist eine Öse angegossen, in die die Tropfschale eingehängt wird. Sie fängt das Öl auf, das von den Dochten an der Schnabelspitze heruntertropft. Der Haken der Tropfschale ist am oberen Ende eines einfachen Stabes angebracht, der im Boden der Tropfschale festgelötet (?) ist.
Die Lampe stammt lt. Eingangsbuch aus Wöllmarshausen, einer kleinen jüdischen Landgemeinde im Gartetal bei Göttingen, die im 19. Jh. erlosch.
Frühe Formen (ab dem 11. Jh.) dieses Lampentyps sind im Erfurter Domschatz, dem Kölner Stadtmuseum, Göttingen (1902/921, 16. Jh.) etc. und auch aus England bekannt. Die einfache Form wie 1902/921 wurde bis in die frühe Neuzeit nicht ausschließlich von Juden verwendet. Danach war die hängende, mehrschnabelige Öllampe jedoch auf jüdische Haushalte beschränkt. Sie kann aus einer Kupferlegierung bestehen, aber auch Exemplare aus Zinn und Silber sind bekannt. Sie kann vier, sechs oder mehr Schnäbel haben. Sie wird mit einer verstellbaren Säge an der Zimmerdecke befestigt, von wo sie zum Schabbat und an Feiertage heruntergelassen wird (daher das Sprichwort "Steigt die Sabbatlamp' herab, wendet Not und Sorg' sich ab"). Die Lampe wurde mit Öl gefüllt und vor Beginn des Schabbats entzündet, da an diesem Tag Feuermachen für fromme Juden nicht erlaubt ist. Mit genug Öl konnte die Lampe den Feiertag über brennen. Bis ins frühe 20. Jh. war dieser Lampentyp im aschkenasischen Judentum in Gebrauch. Einen Eindruck von ihrem Gebrauchskontext vermitteln die Bilder des Frankfurter Malers Moritz Oppenheim (1800-1882), der sich hauptsächlich jüdischen Genrebildern widmete.
Laut Eingangsbuch stammt die Schabbatlampe aus Wöllmarshausen. Die um 1750 in Wöllmarshausen gegründete jüdische Gemeinde zählte knapp zehn Familien.
(Städtisches Museum Göttingen)
Literatur in Zusammenhang:
Bruno Crome, Führer durch die Altertumssammlung, Göttingen 1919, S. 17. - Waldemar Röhrbein, Jüdisches Kultgerät, Göttingen 1968, S. 11; Nr. 21. - Waldemar Röhrbein, 700 Jahre Juden in Südniedersachsen, Göttingen 1973, S. 92; Nr. 304. -
CN - record_kuniweb_2664864
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