TY - GEN SP - 1 TI - Schale AB - Beschreibung: Runde Schale aus Messing, keine Verzierung. Es handelt sich um eine Essschale für Reis aus Korea. Korea ist berühmt für die Anfertigung von Reisschalen und Stäbchen aus Messing. Die Schale wurde als Teil eines Konvolutes von koreanischen Essschalen (2023/347-2023/3??) von Ewald Lehmann aus China nach Göttingen geschickt. In einem Brief an seine Eltern vom 2.06.1905 schreibt Ewald Lehmann: "Ich
bedaure es sehr, dass ich eure Erwartungen bezgl. der angekündigten Geburtstagsgeschenke so getäuscht habe. Ich werde sie nun in etwa 4 Wochen mit dem nächsten von hier gehenden Heimtransport senden; doch es ist nicht ganz sicher, ob sie mitkommen, da es häufig an Platz mangelt. Ich füge den annoncierten Sachen vielleicht noch das eine oder andere Gute (?) bei, lege dann besondere Zettel dazu. Sicher werde ich noch 2 1/2 Dutzend (?) Korea-Schalen als Geb.geschenk für Luise u. Rudolf mit einpacken. Hoffe, dass sie sie werden gebrauchen können." Am 22.06.1905 schreibt er an seine Eltern: "Anbei erfolgen die schon lange erwarteten Sachen. Von den oben aufliegenden Schalen (Koreanische Essnäpfchen) - als Fingerbowle zu verwenden - gehören Mutter 1 1/2 Dutzend. Ein Dutzend schenke ich Grete und Gustav und 2 1/2 Dutzend Luise und Rudolf; eine geringer Quantität lohnt sich bei letzteren kaum." Das schreiben traf am 18.08.1905 mit einer Frachtkiste in Göttingen ein. Die Frachtkiste enthielt Ewalds Sendung mit den Esschalen und
chinesischen Götzen (lt. handschrift l. Notiz von Ernst Lehmann) (vgl. 2023/294). Laut Brief schickte Ewald 60 Essschalen. Im Museum befinden sich 11 Stück.
Die Schalen gehört zum Nachlass Ernst und Ewald Lehmann. Vor der Übergabe an das Museum befanden sie sich im Haus am Kreuze 21 in einem Wandschrank im Esszimmer und zum Gebrauch im Wohnzimmer im Erdgeschoss. In einer Schale befand sich ein handgeschriebener Zettel von Heinz Fütterer: "Schälchen vermutlich Messing aus China Tsingtau Ewald Lehmann 28.2.2021 Heinz + Hi". Heinz Fütterer war zu der Zeit schon von seinem Parkinson und seiner atypischen Demenz beeinträchtigt.

Nachlass Ernst und Ewald Lehmann:
Ernst Lehmann kam 1887 als Offizier des 82er Regiments nach Göttingen, wechselte aber bald in den Ruhestand. Er war politisch und kulturell sehr aktiv, Angehöriger des Bürgervorsteherkollegiums, führendes Mitglied im Geschichtsverein, engagierter Kolonialpolitiker und ein passionierter Sammler vor allem von Militaria. Seine Sammlung ergänzte er durch die Korrespondenz mit seinem Sohn Ewald, der seit 1904 als Richter in der deutschen Kolonie Tsingtau wirkte, sowie durch die chinesischen Objekte, die Ewald Lehmann nach Deutschland schickte. Hinzu kamen die Korrespondenz mit Hans Wilde, einem entfernten Neffen, der 1901-1902 als Offizier des deutschen Expeditionskorps im Boxerkrieg eingesetzt war. Es ist nicht immer klar, welche Objekte in der heutigen Sammlung von Ewald Lehmann oder Hans Wilde aus China nach Deutschland geschickt worden sind.
Mit seiner sorgfältig geordneten Sammlung, zu der auch hunderte Postkarten unterschiedlicher Provenienz gehörten, begründete Ernst Lehmann eine Tradition, in der insbesondere die Tätigkeit von Ewald Lehmann in Tsingtau eine herausragende Rolle spielte. Diese Tradition wurde von seinen Nachkommen in der Familie Vollmar/Fütterer intensiv gepflegt. Insbesondere Heinz Fütterer und seine Frau Gisela sowie Barbara Mayer haben mit großem Engagement und viel Sachverstand den Nachlass geordnet, inhaltlich erschlossen, Korrespondenzen transkribiert und den Familienstammbaum erforscht.
Nach dem Tod von Ernst Lehmann verblieb seine Sammlung zunächst an seinem letzten Wohnort in Göttingen. In den folgenden Jahrzehnten gingen die Objekte im Zuge verschiedener Erbgänge über seine Tochter Margarete Vollmar und deren Sohn Wolf an seinen Urenkel Heinz Fütterer sowie an dessen Geschwister Barbara Meyer und Dieter Fütterer über. Die Kinder von Heinz Fütterer sowie Barbara Meyer und Dieter Fütterer übergaben im Laufe des Jahres 2023 eine Auswahl der Sammlungsobjekte von Ernst Lehmann und - nahezu vollständig - die Objekte und Korrespondenzen mit Chinabezug aus dem Nachlass von Ewald Lehmann dem Städtischen Museum. Die Korrespondenzen, Zeitungsausschnitte und Münzen mit Bezug auf den Kriegsdienst von Hans Wilde in China waren von Barbara Meyer an dessen Nachkommen Börries Butenop gegeben worden, der daraus eine Dokumentation erarbeitete. Börries Butenop überließ diese Unterlagen 2023 ebenfalls dem Städtischen Museum.
Johannes „Hans“ Gustav Leo Wilde, geb. am 16.01.1875 in Nelep, verstorben am 07.10.1914 in Maucourt (Frankreich), Sohn des Otto Gustav Wilde, Pastor in Nelep, und der Martha Elise Hermine Cäcilie Voigt. Wilde besuchte das Gymnasium in Köslin bis 1893. 1894 trat er als Offiziersanwärter in in das 2. Kurhessische Infanterie-Regiment Nr. 82 in Göttingen ein. 1895 Beförderung zum Leutnant. Von 1900 bis 1902 nahm er an der China-Expedition („Boxeraufstand“) teil. Während dieser Zeit schrieb er mehrere Briefe an Familienmitglieder in Deutschland. Nach seiner Rückkehr diente er im 3. Westfälischen Infanterie-Regiment „Freiherr von Sparr“ Nr. 16 in Mühlheim/Rhein, dort Beförderung zum Oberleutnant. Am 26.09.1903 heiratete er Sophie Luise Bennecke. 1906 war er Lehrer an der Infanterie-Schießschule in Berlin-Spandau. 1911 folgt die Beförderung zum Hauptmann und Dienst im 4. Westfälischen Infanterie-Regiment „Graf Barfuß“ Nr. 17 in Mörchingen/Lothringen. 1912 arbeitete er als Lehrer an der Escuela Superior de Guerra in Buenos Aires/Argentinien.


English version:
Round brass bowl, no decoration. This is a rice bowl from Korea. Korea is famous for producing brass rice bowls and chopsticks. The bowl was sent to Göttingen from China by Ewald Lehmann as part of a collection of Korean bowls (2023/347-2023/3??). In a letter to his parents dated June 2, 1905, Ewald Lehmann writes: “I am very sorry that I have disappointed your expectations regarding the announced birthday presents. I will now send them in about four weeks with the next shipment going home from here; but it is not entirely certain that they will arrive, as there is often a lack of space. I may add one or two other goodies (?) to the items I announced, and will enclose a special note. I will definitely include 2 1/2 dozen (?) Korean bowls as birthday presents for Luise and Rudolf. I hope they will be able to use them.” On June 22, 1905, he writes to his parents: “Enclosed are the long-awaited items. Of the bowls shown above (Korean eating bowls) – to be used as finger bowls – 1 1/2 dozen belong to Mother. I am giving a dozen to Grete and Gustav and two and a half dozen to Luise and Rudolf; a smaller quantity is hardly worthwhile for the latter.” The letter arrived in Göttingen on August 18, 1905, in a shipping crate. The freight crate contained Ewald's shipment of bowls and Chinese idols (according to a handwritten note by Ernst Lehmann) (cf. 2023/294). According to the letter, Ewald sent 60 bowls. The museum has 11 pieces.
The bowls belong to the estate of Ernst and Ewald Lehmann. Before being handed over to the museum, they were kept in a wall cupboard in the dining room at Haus am Kreuze 21 and used in the living room on the ground floor. One bowl contained a handwritten note from Heinz Fütterer: “Small bowls, probably brass, from China, Tsingtau, Ewald Lehmann, February 28, 2021, Heinz + Hi.” At the time, Heinz Fütterer was already suffering from Parkinson's disease and atypical dementia.

Estate of Ernst and Ewald Lehmann
Ernst Lehmann came to Göttingen in 1887 as an officer in the 82nd Regiment, but soon retired. He was very active politically and culturally, a member of the Bürgervorsteherkollegium (council of citizens), a leading member of the historical society, a committed colonial politician, and a passionate collector, especially of militaria. He added to his collection through correspondence with his son Ewald, who had been working as a judge in the German colony of Tsingtau since 1904, as well as through Chinese objects that Ewald Lehmann sent to Germany. Added to this was correspondence with Hans Wilde, a distant nephew who served as an officer in the German Expeditionary Corps in the Boxer Rebellion from 1901 to 1902. It is not always clear which objects in today's collection were sent from China to Germany by Ewald Lehmann or Hans Wilde.
With his carefully organized collection, which also included hundreds of postcards from various sources, Ernst Lehmann established a tradition in which Ewald Lehmann's work in Tsingtau played a particularly prominent role. This tradition was intensively cultivated by his descendants in the Vollmar/Fütterer family. Heinz Fütterer and his wife Gisela, as well as Barbara Meyer, in particular, showed great commitment and expertise in organizing the estate, cataloging its contents, transcribing correspondence, and researching the family tree.
After Ernst Lehmann's death, his collection initially remained at his last place of residence in Göttingen. In the following decades, the objects were passed on through various inheritances via his daughter Margarete Vollmar and her son Wolf, to his great-grandson Heinz Fütterer and his siblings Barbara Meyer and Dieter Fütterer. In the course of 2023, the children of Heinz Fütterer, Barbara Meyer, and Dieter Fütterer handed over a selection of Ernst Lehmann's collection objects and – almost in their entirety – the objects and correspondence relating to China from Ewald Lehmann's estate to the Municipal Museum. The correspondence, newspaper clippings, and coins relating to Hans Wilde's military service in China had been given by Barbara Meyer to his descendant Börries Butenop, who compiled them into a documentary. Börries Butenop also donated these documents to the Municipal Museum in 2023.
Johannes “Hans” Gustav Leo Wilde, born on January 16, 1875, in Nelep, died on October 7, 1914, in Maucourt (France), son of Otto Gustav Wilde, pastor in Nelep, and Martha Elise Hermine Cäcilie Voigt. Wilde attended high school in Köslin until 1893. In 1894, he joined the 2nd Kurhessian Infantry Regiment No. 82 in Göttingen as an officer cadet. In 1895, he was promoted to second lieutenant. From 1900 to 1902, he took part in the China Expedition (“Boxer Rebellion”). During this time, he wrote several letters to family members in Germany. After his return, he served in the 3rd Westphalian Infantry Regiment “Freiherr von Sparr” No. 16 in Mühlheim/Rhine, where he was promoted to first lieutenant. On September 26, 1903, he married Sophie Luise Bennecke. In 1906, he was a teacher at the Infantry Shooting School in Berlin-Spandau. In 1911, he was promoted to captain and served in the 4th Westphalian Infantry Regiment “Graf Barfuß” No. 17 in Mörchingen/Lorraine. In 1912, he worked as a teacher at the Escuela Superior de Guerra in Buenos Aires, Argentina.
(Städtisches Museum Göttingen) CN - record_kuniweb_2648138 ER -