TY - GEN
SP - 4
TI - Kleiderschrank
AB - Der gestreckt proportionierte Schrank ist architektonisch gegliedert und wird von einem gesprengten Giebel bekrönt. Die fünf geraden, massiven Brettfüße tragen den Sockelkasten, der durch drei vorgelegte Postamente unterteilt ist; diese tragen die darüberstehenden korinthischen Pilaster. Zwischen diesen sind die Türflügel mit Bastionsfüllungen und innen liegender Bosse angebracht. Auf den Seitenwänden sind ebenfalls Bossen eingefügt. Die Gesimse von Sockel und Deckel verkröpfen sich entsprechend der architektonischen Gliederung. Der gesprengte Giebel mit großem Giebelfeld trägt im Zentrum eine aufgesetzte geschwungene Konsole zur Aufstellung einer Vase. Das Kranzgesims kragt als einziges der Gesimse weit vor und vermittelt zusammen mit den Kapitellen den Eindruck von Plastizität. Das Schlüsselloch ist am Mittelpilaster eingelassen und mit einem Messingbeschlag verziert.
Die Marketerie des Schranks ist von hoher Qualität. Die Füße kommen ganz ohne Dekor aus, die übrigen Flächen rahmt ein schlichtes, aber dekoratives, quer gestelltes Nussbaumfurnier. Die dabei entstehenden Innenflächen sind mit Nussbaummaserfurnier gefüllt und teilweise mit Elfenbein- und Perlmutteinlagen belegt. Die Postamente am Sockelkasten sind mit Rocaillekartuschen aus Esche versehen, in ihrem Inneren eine hängende Blütenknospe aus Elfenbein. Die zwischen den Postament liegenden Flächen schmücken florale Ornamente aus Elfenbein mit Rankenrahmungen aus Esche. Auf den Seiten wird die Sockelfläche identisch gestaltet, lediglich auf die Elfenbeineinlagen ist verzichtet. Auf den Pilastern sind in aufwendigen Rocaillerahmungen weibliche Allegorien dargestellt. Anhand der Attribute können zwei Figuren als Caritas (Barmherzigkeit) und Castitas (Keuschheit gedeutet werden; die dritte Figur mit Harfe ist nicht eindeutig bestimmbar (Poesie?).
Die Türen sind besonders reich gestaltet. Ihre Einlegearbeiten steigern die der Pilaster noch einmal hinsichtlich Größe und Reichtum. Hier erscheint jeweils eine große Elfenbeinfigur auf einem Sockel. Sie sind von einer Rocaillenrahmung mit floralen Elementen eingefasst. Links ist Sapientia (Vernunft), rechts Spes (Hoffnung) dargestellt.
Das Giebelfeld teilt die aufgesetzte Konsole in zwei Teile. Auf jeder Hälfte findet sich ein Feld mit Maserfurnier, gerahmt von einem Rankenwerk und mit einer Elfenbeineinlage verziert. Diese zeigen jeweils ein Pferdegespann, das linke wird von Sol, das rechte von Mars gefahren. Auf der Konsole ist ein männlicher Kopf mit Strahlenkranz in einer Rankenrahmung eingelegt; er stellt vermutlich ebenfalls Sol dar. (Schneider 2021)
Veröffentlicht in:
W. Jesse, „Alt Braunschweigische Kultur zur Goethezeit 1750 - 1850 ; [Ausstellung im Januar und Februar 1949 im Städtischen Museum und in Verbindung mit dem Kunstverein Braunschweig im Hause Salve Hospes]“, Arbeitsberichte aus dem Städtischen Museum Braunschweig, Bd. 1. Städt. Museum, Braunschweig, 1949. (Abb. hinter S. 6.)
Veröffentlicht in:
A. Schneider, „Braunschweiger Möbel des 18. Jahrhunderts“, Reihe Braunschweigisches Kunsthandwerk, Bd. 4. Richard Borek Stiftung, Braunschweig, 2021. (S. 96-99, Nr. K 17 (mit älterer Lit.).)
Veröffentlicht in:
G. Spies, „Messe, Markt, Handel im alten Braunschweig [Ausstellung als Beitrag anläßlich der Weltausstellung in Hannover im] Museum im Altstadtrathaus“. Städtisches Museum, Braunschweig, 2000. (S. 96-98, Nr. 68 u. Abb. 73.)
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