TY - GEN
SP - 6
TI - Die Kaffeegesellschaft "Ein Kaffeetisch mit 8 Figuren als 4 großen und 4 kleinen bekleideten"
AB - Modell: Jean (Jacques) Desoches, 1770; Ausformung: 1829
Niemand weiß, wie Jean Desoches aussah, wann er geboren wurde und wann er gestorben ist. Selbst sein Vorname ist ungewiss, vielleicht hieß er auch Jacques. Sicher ist hingegen, dass er 1769 aus Paris nach Fürstenberg kam. Man wollte mit ihm den neuesten, modernsten Stil aus dem tonangebenden Frankreich einkaufen. Desoches blieb nur für wenige Jahre, doch in der kurzen Zeit schuf er 1770 mit der „Kaffeegesellschaft“ eine bemerkenswerte Figurengruppe.
Auf der einen Seite steht der große gestalterische und handwerkliche Aufwand, wie Sie ihn an der Wandvitrine nachvollziehen können. Um eine Porzelllanfigur herzustellen, muss diese nämlich in viele Einzelteile zerlegt werden. Diese werden einzeln ausgeformt, im noch feuchten Zustand zusammengefügt und nachmodelliert. Nach dem Trocknen, Brennen, Glasieren und wieder Brennen ist die Figur bereit für die farbige Bemalung.
Die andere Seite bildet die inhaltliche Komplexität der Figurengruppe. Die Darstellung der Kinder ist beispielhaft zu nennen, da sie die neuesten Erkenntnisse damaliger Pädagogik reflektiert wie sie etwa Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) in seinem Buch Émile oder über die Erziehung (1762) formulierte. So sind die Kinder nicht als symboltragende Putten verkleidet, sondern naturalistische Darstellungen.
Von Desoches können Sie außerdem im Weitsch-Saal seine Version der Vier Jahreszeiten sehen. Er gestaltete sie – très chic! – als elegante, französische Bauern. (B. Borkowski)
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