TY - GEN
SP - 1
TI - Pinzette und Rasiermesser
AB - Dem überaus interessanten Fundplatz von Wittorf, Stadt Visselhövede kommt gleich in mehrfacher Hinsicht eine große Bedeutung zu. Das Fragment einer Lanzenspitze der älteren Bronzezeit, die vermutlich aus einem planierten Grabhügel stammte, und der Fund von Resten zweier Urnengräber bildeten den Auftakt zur Erforschung dieses mehrperiodigen Fundplatzes. Neben Grabanlagen aus der jüngeren Bronze- und älteren vorrömischen Eisenzeit, finden sich im Bereich des Fundplatzes auch Reste einer ebenfalls in die ältere vorrömischen Eisenzeit datierende Befestigungsanlage. Neben der Anlage in Walle, Ldkr. Gifhorn, die einzige derartige Befestigung ihrer Zeit nördlich der Mittelgebirgszone. Darüber hinaus konnten im Zuge der bisherigen archäologischen Ausgrabungen von 1991 bis 2016 eine frühmittelalterliche Siedlung nebst ihrem dazugehörigen Friedhof freigelegt werden. Inzwischen sind gut 60.000 m² Fläche archäologisch untersucht.
Das Urnengrab 241 wurde 2015 freigelegt. Das Grabensemble bestand aus einem Gefäß mit Steinschutz. Zusammen mit dem Leichbrand fanden sich die Beigaben im Inneren der Urne. Besonders schön ist eine Pinzette mit dreifacher Buckelzier und einfachem Schlingband aus zwei parallelen Linien aus Befund 241, die eine Form der jüngeren Bronzezeit darstellt. Sie findet eine weite Verbreitung in Nordeuropa und weist auch diverse Belege aus dem Elbe-Weser-Dreieck auf. Ein nahezu identisches Parallelstück wurde bereits 1993 im Zuge der Grabungen gefunden. In der gleichen Urne 241 befand sich auch ein Rasiermesser mit rechteckigem Abschluss und abgerundet-rechteckiger Griffplatte. Bei den Beigaben handelt es sich um Trachtbestandteile. So enthielt das Grab neben einem Rasiermesser mit rechteckigem,
durchlochtem Griff und sägezahnartigem Klingenrücken
eine Pinzette mit dreifacher Buckelzier und einfachem schräggestricheltem Schlingband.
(Baier 02/2019, Bock 12/2018)
CN - record_kuniweb_1318983
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