TY - GEN SP - 1 CN - record_kuniweb_1126090 TI - Erntefeststuhl AB - Worpsweder Erntefeststuhl
Die Anfänge der heimischen Stuhlproduktion sind nicht bekannt. Überliefertes Bildmaterial existiert erst seit Ende des ­19. Jahrhunderts, das sind Fotografien und vor allem Bilder der Worpsweder Maler. Daraus ersieht man zwei Grundtypen: gedrechselte und getischlerte Modelle.
Am meisten Verbreitung fanden die gedrechselten, sogenannte „Erntefeststühle“. Dazu ist überliefert, dass diese Stühle von der „Erntefestgesellschaft“, die Ausrichter der jährlichen Erntefeste war, bei den Drechslern der Umgebung in Auftrag gegeben wurden. Diese betrieben den Beruf häufig im Winter als Nebenerwerb. Die Stühle wurden nicht, wie heute üblich, verleimt, sondern sie bekamen ihre Festigkeit dadurch, dass frisches Holz verarbeitet wurde, die Streben mit den Zapfen aber vorher im Backofen künstlich vorgetrocknet wurden. Nach dem Zusammenbau trocknete das Gestell ein, die Zapflöcher wurden dadurch kleiner, die Zapfen quollen wieder auf, wodurch eine feste Verbindung entstand. Desweiteren wurde der Stuhl durch den umflochtenen Binsensitz stabilisiert, der durch das Gewicht des Benutzers die Konstruktion zusammenzog. Die Sitzmöbel wurden roh in das Erntefestzelt gestellt, und da eine Einlagerung bis zum nächsten Jahr schwierig war, anschließend von den Besuchern für wenig Geld erworben, dann erst mit Tierblut gestrichen. Das erklärt die einheitlich braun-rote Farbgebung. So fand dieser Stuhltyp in Laufe von Jahrzehnten eine große Verbreitung in den Bauernhäusern und bot den Drechslern ein ständiges Zubrot. Erst als im 20. Jahrhundert durch bessere Heizung andere klimatische Verhältnisse herrschten, lösten sich die Holzverbindungen, und es war zu kostenaufwendig, die verschlissenen Binsensitze zu erneuern. So flogen tausende der Stühle in die Osterfeuer…
(Groth, Die Käseglocke in Worpswede)

Verwendungszweck:
Sitzmöbel

Gebrauchsort:
Worpswede (Osterholz, Niedersachsen)

Beschrieben in:
P. Groth, „Die Käseglocke in Worpswede : Baudenkmal und Museum für Worpsweder Möbel und Kunsthandwerk“. Freunde Worpswedes, Worpswede, 2013. ER -